Feenkinder

Feenkinder

Die wunderbare Geschichte über perfekt geplante Fangaktionen, eines liebeskranken Katers, schlaflosen Nächten, kreischenden Waschbären, tollen Nachbarn und einer Pflegemama die im Nachthemd auf der Straße herumrennt.

 

Fee wurde schon Anfang des Jahres bei einer unserer ehrenamtlichen Helferin gesichtet.

Ein verhungertes Wesen das sich heimlich Futter stibitzte.

Anfangs nur als ein Huschen bemerkbar war der Gedanke entweder eine heimatlose Katze oder eine gute Fee im Garten, so kam Fee zu ihrem Namen.

Es wurde also eine Kamera aufgestellt und Futter angeboten.

Fee kam auch täglich, allerdings nur frühmorgens zwischen 4.00-5.00Uhr.

Eine unbeaufsichtigte Lebendfalle aufzustellen, kam nicht in Frage und gerade als der Entschluss gefasst wurde den Nachtschlaf zu opfern, um das kleine verhungerte Wesen zu sichern, tauchte Fee nicht mehr auf.

 

Bis dann plötzlich:

Mitte Juli  Fee dann von einer Nachbarin gesichtet wurde.


Mit einem Kitten circa 5 Wochen alt, sie hatten sich während des Urlaubs in der Gartenlaube niedergelassen.

Natürlich war das Erschrecken auf beiden Seiten groß und die Katzenfamilie stob wild auseinander.

Unsere ehrenamtliche Helferin Andy wurde informiert und die Sorgen waren groß das Mutter und Kind wieder zusammenfinden.

Natürlich ruft eine Katzenmama ihre Kinder wieder zu sich, aber zur Sicherheit wurde die Umgebung beobachtet und nächtliche Runden gedreht, ob denn irgendwo ein Katzenkind in Not ruft.

 

Also wieder eine Kamera aufgestellt und darauf fanden sich eine andere hochschwangere Katze, eine Waschbär Mama mit sichtlichem Gesäuge, ein unkastrierter Kater, ein unkastrierter Katerjüngling, einige Katzen aus der Nachbarschaft und endlich Fee mit ihrem Kitten und einige Tage später Fee mit zwei Kitten.

 

Die Erleichterung war groß, aber Fee konnte noch nicht gesichert werden solange ihre Kitten nicht selbständig essen.

Wir mussten schon die ganze Familie zusammen sichern, undenkbar die Kitten ohne ihre Mama auch nur eine Nacht allein zu lassen.

Naturnah gelegen finden sich in den Gärten neben Waschbären auch Füchse und Marder.

 

Also hatte die hochschwangere Katze erst einmal Vorrang,

Lebendfallen wurden aufgestellt alles zeitlich gut abgestimmt und wer sich nie mehr blicken ließ war eben diese schwangere Katze.

Dann wurde beschlossen den unkastrierten Kater zu fangen, er war sichtlich liebeskrank und hat Fee nicht aus den Augen gelassen.

Das ist nicht ungefährlich, unkastrierte Kater können für Kitten tödlich sein.

 

Wieder perfekt geplant, wieder nichts, der Bursche hat sich für das Futter nicht interessiert und hatte nichts anderes im Sinn als unsere Fee zu belagern.


Das gleiche mit dem Katerjüngling. Essen war plötzlich völlig egal.


Fee ist clever und hat die verliebten  Burschen immer weit weg von ihren Kitten gelockt, um dann schnell auf anderen Wegen zu entschwinden.


In der Zwischenzeit hat sich Nachbarin Jutta ganz toll um Fee gekümmert.

Viele Stunden wurden damit verbracht Fee an eine Futterstelle zu gewöhnen, mit dem Ziel sie und ihre Kleinen dort mittels einer Lebendfalle sichern zu können.

Endlich konnte beobachtet werden das Fee ihren Kids Mäuse mitbringt und so startete die dritte, wiederum gut durchdachte Fangaktion.

 

Wer nicht kam war Fee.

 

Temperaturbedingt tauchten alle Katzen erst am Abend auf und so wurde von allen Beteiligten der Feierabend und Nachtstunden damit verbracht, die Falle zu öffnen, nachts wieder zu schließen.

Futter rein, Futter wieder raus, Falle wieder umstellen, warten und endlos so weiter.

Alles ohne Erfolg und wir waren alle sehr resigniert.

 

 

Ja und so ging es weiter über 6 Wochen.

Fee samt den Kitten anlocken, Fallen aufbauen. Fallen abbauen, Fallen umstellen, Fallen kontrollieren. Futter rein, Futter raus.

Fee hat ihre Kids überbehütet und kam nur allein zu ihrer Futterstelle.

Die Kleinen hatten auf Abstand zu bleiben.

Es wurde unendlich viel Zeit damit verbracht mit Fee ein Vertrauensverhältnis aufzubauen und dann endlich:  


Die Kitten kamen mit zur Futterstelle.


Wieder alles gut geplant, wieder alles spät am Abend konnte erst die kleine Finja und kurz darauf auch Finny gesichert werden.

So weit sehr gut, wir haben immer ein mulmiges Gefühl bei solchen Aktionen.

Wenn zuerst die Mutter gesichert wird und wir die Kitten nicht kriegen, ist die Sorge immer groß.

 

Das Zimmer auf der Pflegestelle direkt gegenüber war schon vorbereitet und die Kleinen wurden auch gleich dorthin gebracht.

Wieder alles aufgebaut und gewartet.

Fee kam auch aber legte sich neben die Falle und ging dann wieder.

Egal was wir versuchten, es funktionierte nicht.

Es wurde Nacht und auch wir müssen mal irgendwann schlafen und so waren wir zuversichtlich.

Bestimmt funktionierts morgen.

 

Die erste Nacht war ein absolutes Chaos.


Fee, die nach ihren Kitten ruft, auf der anderen Straßenseite Kitten, die nach ihrer Mama rufen.

Der liebeskranke Kater der seine Chance bei Fee gekommen sah, sie anschmachtete und Katergesänge anstimmte,  dazu der eigene Kater dem es mal gar nicht passte wer da alles in seinem Garten ist und alles anfauchte und anknurrte und dazu noch laute kreischende Waschbären.

Die Waschbär Mama, wahrscheinlich durch den Geruch des Futters angezogen wollte das Revier für sich und üble Revierkämpfe mit laut kreischenden Waschbären fanden statt.

Dazu noch Katerschlägereien, wahrscheinlich der Jüngling. Er ist abgewandert und wurde nicht mehr gesehen.

 

Das alles bis in die Morgenstunden.

 

Unsere Pflegemama Andy verbrachte die Nacht damit die weinenden Kitten zu beruhigen, was gar nicht so einfach war, sie sind wild geboren und können mit menschlichem Trost gar nichts anfangen.

Also wurden die Kids mit Spielen abgelenkt, vorsingen klappte auch gut, allerdings für maximal 15 Minuten.

Dann ging alles von vorne los.

Die kleine schwarze Finny nicht mal so sehr, aber Fenja, ein Mama Kind war laut, ausdauernd und schwer abzulenken.

Mit der Spielangel in der Hand verbrachte unsere Andy diese Nacht im 15 Minuten Schlafrhythmus.

Und so ging das 4 Tage und Nächte lang.

 

Doch dann, natürlich außerhalb unserer gut durchdachten Planung konnte der Kater einem Stück Lyoner nicht widerstehen und wir hatten den Burschen, zwei Tage nachdem wir die Kitten gesichert hatten.


Nachts um 23.00 Uhr.

Also, Tierheimleitung aus dem Bett geklingelt, und den Kater ins Tierheim gefahren.


Ein Seniorkater, der ganze Körper voll mit Krebs von den Ohren bis in den Bauchraum mit außenliegenden großen Tumoren.

Der Bursche muss furchtbare Schmerzen gehabt haben und wo er die Ausdauer hernahm unsere Fee zu belagern ist unerklärlich.

Er hätte nicht mehr lange überlebt und wäre elendig gestorben, so konnte er nur noch erlöst werden.

Schon traurig, es war geplant das er kastriert wird und zurück kann mit einem Zuhause mit Halbpension.

Wir wollen uns vorstellen das er so im Liebestaumel war das er seine Schmerzen nicht gespürt hat.

 

Und weiter ging das Warten, Falle auf, Falle zu und ihr wisst ja schon.

 

Fee kam zur Futterstelle, legte sich wieder neben die Falle und ging dann um sich eine Maus zu fangen.

Doch dann, frühmorgens gelang es Fee in den Hausgang zu locken.

Eilig wurde der Katzenkorb geholt und unsere völlig übermüdete Andy, aufgrund der heissen Nächte nur im kurzen Nachtgewand und noch im Bett, sprintet sofort los zur Nachbarin nur von dem Gedanken erfüllt:


Lass jetzt bloß nichts mehr schiefgehen!


Das alles zwischen einer jammernden Fee und den jetzt noch lauter rufenden Kitten.

Ein unglaubliches Spektakel.

 

Im Laufen wurde wenigstens noch eine Hose angezogen, so dass der Sprint über die Straße nicht gar zu peinlich wurde.

Fee konnte gesichert werden und wurde sofort zu ihren Kids gebracht.

Nach Katzenart musst du genau hinsehen, um eine Art Wiedersehensfreude zu entdecken.

 

Jedenfalls waren die Nächte jetzt wieder ruhig, endlich durchschlafen.

Mamakind Fenja selig und zufrieden. Fee entspannt und Finny wie immer gut drauf.

Die Katzenfamilie fühlt sich sichtlich wohl, alle wurden gegen Parasiten behandelt und Fee entwickelt sich zu einer Schönheit mit glänzendem Fell.


Die Katzenfamilie hat schnell die Gemütlichkeit des Betts rausgefunden, vor allem bei Regenwetter und schläft dort selig.

Fee, die wahrscheinlich nur den Kampf ums Überleben kennt, liebt es auf der Kratztonne zu liegen.

Sie fängt an zu spielen, ihre Kids vor allem Finny zeigen ihr wie`s geht, bringen ihr Bällchen und spielen ihr diese zu.

Langsam traut sie sich auch mit unserer Andy zu spielen, sie wird immer mehr wie ein unbesorgtes Kätzchen und tobt wild mit ihren Kids durch das Zimmer.

 

Die kleine schwarze Finny lässt sich schon streicheln und ist gerne überall dabei.

Haare zerwühlen und auf dem Rückensitzen beim Katzenkloo saubermachen findet sie toll.

Nasenküsschen werden auch ausgiebig verteilt, ein wundervoller Kobold unsere Finny.

Schnurren kann sie auch schon und Fenja und Fee beobachten das alles ganz genau.

Ein bisschen trauen sie sich schon, aber so forsch wie Finny ist keine der beiden.

 

Mamakind Fenja ist gerne bei Fee, spielt aber schon wild.

Streicheln findet sie gruselig aber das Bällchen zuspielen ist ihre Art der Annäherung.

 

Fee genießt ihr sorgloses Dasein, kein Wachsam sein, keine Suche nach Futter und wenn die Kids nerven, ist ja unsere Andy da zum Spielen.

Sie liegt zu gerne rücklings auf dem Bett und ist verzaubert von den vielen Spielsachen.

Das ist wunderschön und der ganze Stress ist schnell vergessen.

 

Wir bedanken uns herzlich bei Jutta für ihren stundenlangen und wochenlangen Einsatz.

Ohne deine Geduld und ohne dein Verständnis für Fee wäre das alles nicht möglich gewesen.

Deine waghalsigen Klettermanöver nachts im Garten bleiben unvergessen.

Danke auch für deine Ideen und Einsatz den Balkon einzunetzen, der größte Spaß für die Feenfamilie.

 

Danke an die Nachbarschaft, die das ganze Getöse voller Mitgefühl und Verständnis ertragen und mitgefiebert hat.

Danke ans Team die ihren Feierabend bei drückend heissen Temperatuten damit verbracht hat die Katzenfamilie zu sichern.

Durch euren Einsatz werden Fee, Finny und Finja ein glückliches Katzenleben führen dürfen.